Friede den Hütten

 

 

Wer in dieser Zeit das Ägyptische Museum in Berlin besucht, wird Exponate vermissen. Einige sind auf Reisen gegangen, andere wiederum sind für den Umzug ins Neue Museum in den Keller gebracht worden. So oder ähnlich wird die Auskunft des kundigen Aufsichtspersonals lauten, wenn man danach fragt.

So ist z.B. die Statuette des Thutmosis nicht mehr in den Ausstellungsräumen des Museums zu finden. Die kleine, mumiengestaltige Figur lag auf einem Balsamierungsbett mit Löwenfüßen und Löwenkopf, an dessen Kopf- und Fußende die beiden Göttinen Nephthys und Isis zu erkennen waren, die bei den Ägyptern einst als Geburts- und Totengöttinen galten. Auf der Brust des Thutmosis hockte der Seelenvogel (Ba-Vogel), der mit ausgebreiteten Schwingen und einem menschenähnlichen Kopf dargestellt war. Er sollte der Seele des Verstorbenen ermöglichen, den Körper zu verlassen und wieder zu ihm zurück zu finden.

Thutmosis, der Erstgeborene des Amenophis III, sollte seinem Vater auf den Thron der Pharaonen folgen. Durch seinen frühen Tod wird sein jüngerer Bruder, Amenophis IV, der sich selbst Echnaton nennt, Nachfolger des Amenophis III und gründet zusammen mit seiner Gemahlin Nofretete eine monotheistische Religion. Im Zentrum der Anbetung steht der Sonnengott Aton. Echnaton verlässt Theben und gründet die neue Hauptstadt Achet-Aton (Amarna).

Die Statuette von Thutmosis hat für das Ägyptische Museum in Berlin eine ganz besondere Bedeutung. Wäre Echnaton nicht der Nachfolger von Amenophis III geworden, hätte er nicht in seinen ersten Regierungsjahren die neue Hauptstadt Amarna gründen können. Der Architekt und Archäologe Ludwig Borchert hätte also die Büste der Nofretete nicht finden können. Das Ägyptische Museum in Berlin wäre nicht das, was es Dank der Fundteilung aus dieser Grabung heute ist.

 

Paarstatue
 

Der Besucher wird ebenfalls unter vielen anderen Statuen die Paarstatue des Der-senedj vermissen. Sie zeigt Der-senedj und seine Frau, die vor ca. 4500 Jahren lebten, auf einer Bank sitzend in einer selbstverständlich erscheinenden ehelichen Harmonie. Die Frau hat den Arm um die Schulter ihres Mannes gelegt und es scheint, als hätte sie ihn im Griff. Tatsächlich soll im alten Ägypten die Frau dem Manne gleichgestellt gewesen sein, was man heute aus der matrilinearen Komponente der afrikanischen Kultur Nubiens ableitet, die in der Vorgeschichte Ägyptens einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Pharaonen ausgeübt hat.

Die Dominanz der Frau findet ihre Erklärung im Verwendungszweck der Statue. Sie diente als Grabstatue und sollte somit die wesentlichen Aspekte des Menschseins widerspiegeln. Nicht die berufliche Stellung des Mannes zählt im Jenseits sondern die familiäre Bindung. Eine wunderschöne Statue aus Rosengranit, die hoffentlich bald wieder zu sehen sein wird.

© goo, Feb. 2009

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