Friede den Hütten

 

Religionsstifter gibt es viele und sie haben alle gemeinsam, dass sie etwas losgetreten haben, was heute noch seine Energie an die Außenwelt abgibt. Wir haben eben nicht die Idee, sondern die Idee hat uns und vereinnahmt uns bis in die letzte Nervenzelle, wie Heine es einmal treffend gesagt hat. Man kann also getrost diese Menschen als Revolutionäre bezeichnen, bearbeiten sie doch nicht unsere Materie sondern unseren Geist – und der hat schließlich auch Bedürfnisse.

Zwar ist die Religion nicht immer Opium fürs Volk, aber eine schmerzmildernde oder vernebelnde Wirkung kann man ihr nicht absprechen. Dass sie von den wahren Problemen einfach nur ablenkt, liegt vielleicht gar nicht an ihren Gründern, sondern vielmehr an den Nachfolgern, die schließlich ihre eigene Sichtweise von der Religion unter den gegebenen Bedingungen hatten und haben. Aber eine andere Kaste beherrscht die Semantik der Verblödung heutzutage ebenso gut wie ihre Vorbilder aus grauen Zeiten, die dem Volk das Seelenheil versprachen, aber es doch nur weiter ausbeuten ließen von den Mächtigen oder wie sie auch immer heißen mögen.

Sicherlich waren die Verhältnisse zu Gautamas Zeiten andere, vor allem aber lässt sich der ihn und seine Anhänger umgebende Kulturkreis zur damaligen Zeit doch nur recht bruchstückhaft rekonstruieren. Vielleicht ist die Sichtweise des Lebens aber auch eine andere, weil sie mit einem Gott erst einmal nichts, aber auch gar nichts zu tun hat. Diese Einsicht wiederum könnte den ein oder anderen dazu bewegen, sich der heilsversprechenden Wirkung einer Meditation mit dem gleichen Eifer hinzugeben, wie einige Banker sich dem Profitmachen um jeden Preis verschrieben haben.

Doch: Lassen wir die Kirche im Dorf, so werden wir dennoch einiges finden, was dem modernen Menschen den Buddhismus näher erscheinen lässt als zum Beispiel ein Fegefeuer. So ist es sicherlich eine philosophische Sichtweise der Welt, wenn der Mensch davon ausgeht, dass er das ewig Gleiche in diesem Universum allein durch Hungern aufzuspüren vermag. Darstellungen Gautamas, zum Beispiel als durch Bulimie geschädigtes Gerippe, legen Zeugnis davon ab; nur wusste er um seinen erbärmlichen körperlichen Zustand, hatte sein Geist doch höhere Ziele als das Essen. Gefunden hat er das ewig Gleiche dann doch nicht, aber durch die Meditation hindurch erblickte er einen Zustand, den man heute sehr schwer nachvollziehen kann und dessen Begrifflichkeit man auch deshalb einfach so stehen lassen sollte, wie er damals bezeichnet wurde: das Nirvana.

Dies also ist das Heilsversprechen einer Weltanschauung, die niemals Religion sein wollte, aber trotzdem den Erlösungsanspruch in sich trägt. Allerdings wird man eine Menge dafür tun müssen, um das Nirvana aus eigener Kraft zu erreichen, um damit endlich dem leidvollen Kreislauf der Reinkarnation zu entgehen. Einen anderen Weg gibt es dann auch nicht, und Ablassbriefe kennt diese Weltanschauung vielleicht genauso wenig wie die Schuld. Was soll auch ein dröger Geist mit solchen Versprechungen anfangen, wenn er dann doch das Paradies nicht vor Augen hat? Dies aber erschiene ihm nur durch die ureigenste rosarote Brille, die ein jeder mit sich trägt und genau dann aufsetzen kann, wenn er am Leben bleiben will.

Fazit:

Ich habe das Buch eigentlich nur aus einem Interesse an den verschiedenen Religionen gelesen und wurde in dieser Hinsicht auch nicht enttäuscht. Allerdings ist die Monographie von Volker Zotz in seiner wissenschaftlichen Art mehr als genau und man wird den Eindruck nicht los, dass vielleicht schon in die Wiege eine falsche geistige Nahrung dargereicht wurde. Nun sollte darüber aber nicht lamentiert und sich vor allen Dingen nicht den Meditationskünstlern an den Hals geworfen werden, die nur einen Blick auf den Geldbeutel ihres Bekehrungsobjekts geworfen haben. Schließlich hat der Buddhismus in seiner ursprünglichen Form eine sehr starke soziale Komponente, die man in heutigen Lebenszusammenhängen immer seltener antrifft.

Mein Interesse am Buddhismus würde ich eher mit „Neugier“ bezeichnen. So wollte ich wissen, um was es geht, welche Rituale für buddhistisch geprägte Menschen wichtig sind, einfach um sie besser zu verstehen. Ich selbst habe kein Interesse an Religionen, um mich von ihnen bekehren zu lassen. Denjenigen Menschen aber, deren Wissensdurst mächtiger ist als der schnöde Durst, und der Wissenshunger essentieller als der gewöhnliche Hunger, kurz für diejenigen, die Spaß am Lernen empfinden und ihre positiven Erfahrungen damit machen, sei diese Monographie empfohlen. Sollen die anderen doch in irgendeine bewusstseinserweiternde Veranstaltung gehen und sich zureden lassen. Dieses Buch jedenfalls ist vollständig genug, um den Buddhismus schätzen zu lernen und diejenigen Menschen nicht auszugrenzen, die sich dieser Weltanschauung verpflichtet fühlen.

 

 

© goo, September 2009

 

 

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